Wertschätzung und unser Umgang mit Geld

Als Menschen, die in einer physischen Welt leben und dort zurechtkommen müssen, steht uns das Bewerten als «Tool» zur Verfügung, um Sachverhalte zu kategorisieren und persönliche Vorlieben auszudrücken. Immer wieder hört man jedoch, dass das Bewerten einengend wirkt und nur dann in Ordnung ist, wenn wir etwas aufwerten, sprich wertschätzen.

An dieser Stelle sollten wir noch einmal ganz klar differenzieren, was von vielen in einen Topf geworfen wird: Bewerten benötigt immer einen «ich-Bezug». Wir drücken damit aus, was uns persönlich gefällt oder was uns nicht gefällt und weisen damit Sachverhalten einen ganz individuellen Wert zu. Bewerten wir ausserhalb unseres persönlichen Bereiches, ist das zwar immer noch ein Werten, welches aber einem Urteil gleichkommt. Wir verändern die Wertung sozusagen zu einer «allgemeinen Wahrheit», indem wir etwas ausserhalb von uns beurteilen. Wir sagen dann: «Das Wetter in England ist immer schlecht» anstatt «Das Wetter in England ist mir einfach zu feucht», oder «Dieses oder jenes Lebensmittel ist schlecht» anstatt «Dieses Lebensmittel tut meinem Körper nicht besonders gut». Beurteilungen werden in Form von wissenschaftlichen Erkenntnissen oder politischen Sichtweisen ständig an uns herangetragen. Hier gilt es ganz klar zu differenzieren und zu überprüfen, ob diese verallgemeinernden Informationen für uns tatsächlich eine persönliche Relevanz haben.

Etwas wertzuschätzen bedeutet, ganz neutral betrachtet, etwas anzuerkennen und einen Wert zuzuweisen. Die meisten Menschen benutzen dazu den Wert des Geldes. Wir bewerten dann Gegenstände, Sachverhalte oder Dienstleistungen danach, ob sie für uns «teuer» oder «billig» sind, und zwar je nach dem, wie viel Geld wir zur Verfügung haben. Bewertungen über Geld stehen immer in einem ganz individuellen Verhältnis zu unserem persönlichen Finanzbudget.

Wenn wir verschuldet sind, erscheint uns zunächst alles als «teuer», da wir bei Schulden automatisch den Spar-Modus aktivieren. Schuldenergie fühlt sich für die meisten Menschen nicht gut an, deshalb wollen wir Schulden so rasch wie möglich wieder loswerden. Das Gefühl der finanziellen Unfreiheit führt dazu, dass wir manchmal viel zu viel für viel zu wenig Geld arbeiten. Es erzeugt in uns zudem ein Minderwertigkeitsgefühl, was dafür sorgt, dass wir uns selbst und unser Tun nicht mehr wertschätzen. In einer Welt, in welcher Geld immer noch mit Demuts- oder Schuldenergie besetzt ist, entstehen Glaubensstrukturen wie «Ich schäme mich für meine Schulden», «Ich habe es zu nichts gebracht», «Ich fühle mich als Versager» oder «Andere werden mit dem Finger auf mich zeigen» und so weiter. Durch diese Gedankenmuster halten wir uns selbst im «Schulden-System» fest.

Über die Wertschätzung der Materie haben wir die Möglichkeit, für uns Wohlstand aufzubauen. Wollen wir damit «spielen», erzeugen wir damit eine Liebe zur Materie, die auf uns in Form von «Wohl-Sein» zurückreflektiert. Die nachfolgenden Fragen und Anregungen können dir dabei helfen, dein Verhältnis zu Geld und Wohlstand zu überprüfen.

  • Geld ist reine Austauschenergie, welcher wir einen Wert zugewiesen haben, denn ein Geldschein ist zunächst einmal nur ein Stück bedrucktes Papier. Reflektiere darüber, was Geld für dich bedeutet.

  • In einem System von «arm» und «reich» sind Neid und Missgunst vorprogrammiert. Kannst du anderen Menschen ihren finanziellen Reichtum gönnen oder diesen zumindest neutral betrachten?

  • Wenn du verschuldet bist, ändere deine Sichtweise. Schuldenergie ist eine belastende Energie in der Form, dass sie uns die Freude am Geld ausgeben nimmt. Betrachte Geld einmal ganz «neutral» und nimm damit das Schuld-Thema für dich raus.

  • Übernimm finanzielle Verantwortung und traue dich, ohne Schulden auszukommen. Gib nur soviel Geld aus, wie du tatsächlich zur Verfügung hast. Zahle Rechnungen sofort nach Erhalt und Kreditkarten, falls du welche benutzt, innerhalb der zinsfreien Frist.

  • Tu dir etwas Gutes und gönne dir regelmässig etwas, auch wenn es zunächst nur wenig ist. Erfreue dich daran ohne schlechtes Gewissen und ohne es begründen zu müssen.

  • Konsumkritikern und Sparfüchsen ist grundsätzlich alles zu teuer. Überprüfe für dich, inwieweit du dazu neigst, deine «Schnäppchen» zu beurteilen. Du darfst jederzeit Dinge für dich abwerten, beobachte jedoch dabei deine Gedanken. Wenn dir ein Hotelzimmer zu teuer erscheint, was führt zu dieser Bewertung? Eine «neutrale» Bewertung wäre zum Beispiel: «Momentan kann ich mir dieses schöne Zimmer nicht leisten». Eine Bewertung aus Neid und Missgunst heraus würde eine Behauptung aufstellen: «Die wollen einem ja nur das Geld aus der Tasche ziehen».

  • Wenn du Geld für etwas ausgibst, kommt immer auch etwas für dich zurück. Bei manchen Sachverhalten ist das zunächst nicht offensichtlich, weil wir voreingenommen sind. Viele Menschen ärgern sich, dass sie jeden Monat so viel Miete zahlen müssen. Wir hadern dabei mit einer Entscheidung, die wir selbst getroffen haben. Wir können diese Sichtweise jedoch für uns modifizieren, indem wir anfangen wertzuschätzen, was wir für die Miete im Austausch zurückbekommen. Ein neuer Aspekt wäre zum Beispiel, dass wir ein Dach über dem Kopf haben, Schutz sowie Wärme im Winter. Durch diese guten Bedingungen können wir selbst mehr Energie für uns aufbauen, die uns dann für neue Projekte zur Verfügung steht. Bei Lebensmitteln verhält es sich so ähnlich. Hier wird am meisten gespart und versucht, möglichst billig einzukaufen. Ich selbst kaufe fast ausschliesslich im Bioladen ein. Anstatt mich über die Preise zu ärgern, suche ich mir ganz bewusst Lebensmittel aus, die mich erfreuen und meinem Körper gut tun. Darüber hinaus freue ich mich, mit meinem «Konsum» das Überleben der Menschen zu sichern, die diese Produkte verantwortungsbewusst produzieren. Ändern wir unsere Sichtweise, entstehen so win-win Situationen für alle Beteiligten.

  • Gib aus der Freude heraus. Geld auszugeben und danach damit zu hadern ist kontraproduktiv. Wenn du Geld ausgibst übernimm die volle Verantwortung dafür. Mache dir bewusst, dass du über den Austausch Anerkennung und Wertschätzung gegenüber demjenigen ausdrückst, der ein materielles Gut erzeugt hat oder dir eine Dienstleistung dafür bietet. Sei der aktive Teil und gib Geld immer selbstbewusst, entschlossen und freiwillig und nicht erst dann, wenn jemand anderes es erwartet.

  • Lehnen oder werten wir die physische Materie ab, hegen wir meist auch keine Wertschätzung für unseren physischen Körper. Umgekehrt betrachtet bedeutet das: Solange wir unseren physischen Körper nicht wertschätzen, können wir auch im Aussen keine Wertschätzung ausdrücken. Die Wertschätzung für den eigenen Körper, den wir selbst erschaffen haben und mit dem wir tief verbunden sind, drückt die Liebe zu uns selbst aus. Diese Liebe wird nach Aussen sichtbar, wenn wir das tun, was wir lieben. Wir bekunden damit unsere Liebe, Achtung und Dankbarkeit gegenüber der physischen Welt und der Materie.

  • Reflektiere über die Aussage: Alles im Aussen ist ein Spiegel unseres Selbst. Die Liebe zu dir selbst wird unweigerlich dazu führen, dass du die physische Welt ebenfalls mit Liebe und Respekt betrachtest.

  • Lass deine Selbstliebe nach aussen sichtbar werden und beobachte, wie andere Menschen darauf reagieren. Wenn du zudem deine eigene Besonderheit annimmst, kannst du die Einzigartigkeit auch in anderen Menschen entdecken und dich an der schönen «Spiegelung» erfreuen. Ein Blumenhändler, der seine Pflanzen liebt und wertschätzt, wird seinen Blumenladen mit dieser Liebesenergie aufladen. Wenn wir diesen Laden dann betreten, werden wir in jeder Ecke diese Liebe spüren und mit viel Freude und Wertschätzung dort einkaufen.

  • Definiere deine Werte neu. Gehe regelmässig durch deine Wohnung und schau dir alles ganz detailliert an. Dazu gehören auch die untersten Schubladen vom Schrank, die Abstellkammer und der Keller. Gibt es Gegenstände, die dich nicht mehr erfreuen? Wenn wir etwas erwerben bedeutet das nicht unweigerlich, dass wir diesen Gegenstand bis zum letzten Tag wertschätzen müssen. Ich durchstöbere unser Haus von Zeit zu Zeit nach Dingen, die mich stören oder die für mich keine Besonderheit mehr darstellen. Die meisten Sachen gebe ich dann zur Spende oder verkaufe sie.

  • Die Liebe zu dir selbst kannst du wunderbar über Kleidung ausdrücken. Durchforste deinen Kleiderschrank und gib alles in die Spende, was dir nicht mehr an dir gefällt. Selbstverständlich bist du es wert, jeden Tag deine schönste Kleidung zu tragen, in der du dich wertvoll und uneingeschränkt wohl fühlst, auch zu Hause.

  • Sei dankbar. Wenn wir für etwas dankbar sind, fliesst Liebe, Anerkennung und Wertschätzung ganz automatisch genau dorthin. Ich bedanke mich zum Beispiel gerne bei unserem Haus, welches wir gemietet haben, dass es uns ein «zu Hause» gibt, wo wir uns uneingeschränkt wohlfühlen und verwirklichen können.

  • Erfreue dich an den materielle Dingen, die du hast. In unserem hektischen Alltag geht der Blick für die schönen Dinge schnell verloren und alles «Normale» wird zur unbeachteten Selbstverständlichkeit.

Übung: die Materie betrachten

Wenn wir die Materie um uns herum betrachten, kann das enorm viel in uns auslösen. Experimentiere damit, indem du zum Beispiel deine Kaffeetasse zunächst neutral, also ohne Emotion anschaust. Danach erlaubst du dir, dich an der Kaffeetasse zu erfreuen, am Material, Design oder was dir sonst besonders gut gefällt. Wenn du möchtest, lass deinen Verstand «ich liebe diese Tasse» denken. Das kannst du mit jedem Gegenstand in deiner Umgebung tun. Vielleicht kommt dir das jetzt lächerlich vor. Falls ja, beobachte, wie oft du umgekehrte Gedanken hast, wie zum Beispiel «Dieses blöde Ding». Unsere Gedanken verraten sehr viel darüber, wie wir mit Materie umgehen. Wenn wir etwas wertschätzend und liebevoll anschauen, wird dies unweigerlich auf uns zurück reflektieren und eine positive Einstellung zum Wohlstand bewirken.

Wer das Leben nicht schätzt, der verdient es nicht
Leonardo da Vinci

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