Wer ist die Person ?

Wenn dich jemand fragen würde, welche Person du bist, was würdest du antworten? Vielleicht möchtest du eine kurze Pause einlegen und und deine Gedanke dazu aufschreiben.

Die meisten von uns beantworten diese Frage mit Eigenschaften wie «nett, zuvorkommend, lustig, schüchtern, sportlich..» gefolgt von Definitionen wie «Angestellte, Handwerker, Deutsche, Professor, Schlagzeuger, Vegetarier..» usw. Wir definieren uns über Zeugnisse, Ausweise oder Titel, doch sind wir das wirklich? Oder sind wir mehr dieses Stück Papier ?

Die Welt als Bühne

Das Wort «Person» (abgeleitet von «personare») bedeutet im Ursprung «durchklingen». In der Antike trugen die Schauspieler auf der Theaterbühne Masken, damit der Klang ihrer Stimme durch die trichterförmige Mundöffnung verstärkt und so bis in die hinteren Ränge des Theaters gehört werden konnte. Die Person, und davon abgeleitet unsere Persönlichkeit, ist also folglich die Maske, die wir auf der Bühne des Lebens tragen. Wir spielen damit unsere Rollen, in die wir freiwillig geschlüpft sind. Wir identifizieren uns mit diesen Rollen und denken tatsächlich «das bin ich». Wenn wir unseren eigenen Wert nur über eine Maske definieren, reduzieren wir unsere Individualität auf ein Minimum.

Wer sind wir ohne diese Maske? Viele von uns spüren intuitiv, dass wir mehr sind, als uns unser Verstand bei all dem Wissen, das wir von klein auf gelernt haben, versucht zu suggerieren. Als Kinder haben wir diese Rollen auch gespielt, aber wir wussten ganz genau, dass wir nur ein Spiel spielen.

Sobald wir uns mit den Rollen, in die wir geschlüpft sind identifizieren, können wir nur noch reagieren. Wir sind dann nicht mehr in der Lage, etwas völlig neues zu erschaffen oder uns selbst neu zu erfinden, weil wir die Rollen, und damit unsere scheinbare Persönlichkeit, die Maske, ablegen müssten. Stattdessen gehen wir Kompromisse ein und verzweifeln daran. Wir scheuen uns vor Veränderungen, weil wir intuitiv spüren, dass wir gezwungen wären, unser sorgfältig geformtes «Ich» aufzugeben. Auch würden wir damit Gefahr laufen, dass uns andere nicht mehr erkennen und wir unsere Zugehörigkeit zur Gruppe verlieren. «Du hast dich aber verändert» bekommen wir dann zu hören, meist vorwurfsvoll, aber oftmals auch mit einem leichten Hauch von Neid.

Wir sind also nicht die Person, doch wer sind wir dann? Ohne Maske sind wir zunächst einmal ein Individuum (lat. individuum «Unteilbares», «Einzelding»), ohne Bestimmung, dafür aber frei in der Wahl, das heisst wir sind einfach nur ganz wir selbst. Nur aus dem Selbst heraus können wir selbst «bewusst» sein und mittels Selbstbestimmung entscheiden, wer wir sein wollen. Aus dem Selbst heraus sind wir in der Lage zu wissen, was wir wollen und zu agieren. So sind wir für unser gesamtes Denken, Fühlen und Handeln «selbst»verantwortlich. Auf diese Weise kann unser Selbstwert dauerhaft existieren. Wir sind immer in unserem eigenen, höchsten Wert, wenn wir ganz bei uns selbst sind.

Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.
~Hermann Hesse

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