Versagensangst – sich trauen


Wie oft in deinem Leben ist es dir schon passiert, dass du Vorstellungen und Ideen in das Reich der Hoffnungen, Wünsche und Träume verschoben hast? Dort funkeln sie besonders schön und warten nur darauf, dass du sie zum Leben erweckst. Sind wir wirklich nur faul und träge oder haben wir tatsächlich Angst davor, unsere Ideen ganz konkret umzusetzen?

Versagensangst ist ein tiefes inneres Gefühl, nicht gut genug zu sein. Meistens basiert diese Form der Angst auf einem hohen Anspruch an uns selbst, dem wir kaum gerecht werden können. Aufgrund der leichten Zugänglichkeit von Informationen haben wir heutzutage die Möglichkeit, uns vielerlei Anregungen und Inspirationen in der äusseren Welt zu holen, die wir eigentlich nur umsetzen müssten. Stattdessen vergleichen wir uns mit denjenigen, die unsere Vorstellungen bereits leben und schneiden dabei zwangsläufig immer schlechter ab. Dies führ dazu, dass wir viele Dinge gar nicht erst anpacken und so die besten Chancen im Leben regelrecht an uns vorbeiziehen.

Oftmals basiert Versagensangst auch auf «schlechten» Erfahrungen in der Vergangenheit. Wir denken dann: «Oh ja, ich habe schon einmal versucht, mich selbständig zu machen und bin gescheitert. Ich würde ja so gerne etwas Eigenes machen, aber Selbständigkeit ist einfach nichts für mich». Anstatt aus unseren Fehlern zu lernen und den Sprung nach vorne zu wagen, kehren wir zurück zu «Gewohntem». Das Ergebnis ist letztendlich ein Kompromiss mit dem Leben selbst.

Das Leben ist immer dort, wo wir noch nicht waren, alles andere ist Wiederholung. Sich dem Leben zu stellen bedeutet deshalb auch, Verantwortung zu übernehmen, und zwar für ausnahmslos alles, was wir tun. Nachfolgend erhältst du einige wunderbare Tools und Anregungen, die dir dabei helfen können, deinen Versagensängsten zu begegnen.

  • Beobachte deine Stimmungen. Wenn eine neue Idee in deinem Geist aufblitzt, wie gehst du damit um? Kannst du Gefühle wie Freude und Begeisterung zulassen? Halte dein Gedanken-Karussel an und mache dir nicht schon im Vorfeld zu viele konkrete Gedanken. Lass zunächst aufkeimende Ideen auf dich wirken und beobachte einfach nur, welche Emotionen entstehen. Falls du damit Probleme hast, stell dir einfach vor, du wärst ein Kind. Kinder machen sich kaum Gedanken oder Pläne. Sie folgen einfach ihrem Gefühl und fangen an.

  • Ändere deine Sichtweise. Sehe die angenehmen Dinge als Segen und die schwierigen als Herausforderung zur Entwicklung. Erkenne Chancen anstatt Hindernisse.

  • Lerne aus deinen Fehlern. Wenn du schon einmal gescheitert bist, benutze deinen Verstand als Analyse-Tool und schau dir konkret an, was schief gelaufen ist und was du hättest besser machen können. Auf diese Art lernst du, Verantwortung für dein vergangenes und zukünftiges Handeln zu übernehmen.

  • Erlaube dir «groß» zu denken. Indem du dir Erfolg zugestehst, entwickelst du jene hilfreiche Stärke, um nach Rückschlägen neu anzufangen, anstatt daran zu zerbrechen.

  • Begegne dem Leben aus der Position eines Erwachsenen. Suche dir Mentoren oder Vorbilder, übernimm Verantwortung für dein Tun und halte Versprechen ein – auch dir selbst gegenüber.

  • Erde dich, indem du zum Beispiel Sport treibst und «Muskeln» aufbaust. Es hilft dir, Stärke und Durchhaltevermögen zu trainieren und auf kleinen Erfolgserlebnissen aufzubauen.

  • Riskiere etwas. Der «Sprung ins kalte Wasser» bedeutet manchmal, sich mit Widrigkeiten auseinandersetzen zu müssen. Dafür bekommst du die Chance, deinen ganz eigenen Weg zu entdecken. Traue dich, dich leidenschaftlich von etwas mitreissen zu lassen. Es wird dein belangloses Leben erfolgreich aufmischen und unglaublich bereichern. Konkret heisst das: Einfach mal machen. Könnte ja gut werden.

  • Begegne deiner Angst. Benutze deinen Verstand und schau dir deine Ängste konkret an. Basiert deine Versagensangst auf einem zu hohen Anspruch an dich selbst? Falls ja, schaffe dir kleinere Ziele, auf die du zugehen kannst. Hast du Angst vor den «Bewertungen» deiner Umwelt? Mache dir klar, dass andere auch nur mit Wasser kochen. Überprüfe, inwieweit du andere auf einen Sockel stellst und ihnen erlaubst, über dich zu urteilen. Falls du konkretes Feedback bekommst, nimm es in Dankbarkeit an. Oftmals sind Kommentare von aussen nur Prüfsteine, die wir uns selbst gesetzt haben, um mehr Klarheit in eine Sache zu bringen. Hast du konkrete Angst vor dem Scheitern? Mache dir klar, dass es so etwas wie Scheitern eigentlich gar nicht gibt. Scheitern ist eine Glaubensstruktur, mit deren Hilfe du der Aussenwelt Macht in Form einer Bewertung über dich einräumst. Hast du das Gefühl, du scheiterst an deinen eigenen Ansprüchen, dann überprüfe, warum du deine Anforderungen an dich selbst so hoch ansetzt.
  • Entdecke deine Fähigkeiten. Viele Menschen glauben, sie hätten keine besonderen Fähigkeiten und fangen deshalb etwas Neues gar nicht erst an. Vielleicht hast du momentan keinen Zugang zu deinen Fähigkeiten. Falls dem so ist, reflektiere über deine Vorlieben. Was findest du schön? Was berührt dich? Was lässt in dir ein Wohlgefühl entstehen? Versetze dich mental zurück in deine Jugend. Was waren deine Träume? Kannst du daran anknüpfen?

  • Verliebe dich in die Sache. Wenn du konkret etwas in deinem Leben verändern willst, erlaube dir, dich in eine neue Idee zu verlieben. Selbst wenn du nur deinen Phantasien nachgehst, lass die Gefühle zu. Und nur dann, wenn es sich auch wirklich gut anfühlt, unternimm weitere konkrete Schritte.

  • Bleib in der Leichtigkeit. Viele Menschen geben auf, weil es zu «schwer» wird. Falls du eine neues Projekt beginnst und an diesen Punkt kommst, geh mental zurück zum Anfang und spüre nach, ob die anfängliche Begeisterung und Verliebtheit noch da ist. Falls nein, bring die Energie entweder erneut in die Bewegung oder gib das Projekt auf. «Hart» für etwas zu arbeiten ist der falsche Weg. Das Leben möchte, dass wir spielen und nicht kämpfen.

  • Sei mutig und hab Selbstvertrauen. Das Langweiligste, was wir im Leben tun können ist uns vorsichtig durchs Leben zu tasten, nur um sicher beim Tod anzukommen.

Übung: Verhaltensmuster durchbrechen

Unsere Verhaltensmuster haben wir uns irgendwann einmal angewöhnt. Seitdem laufen sie in einer Automatik, was sich für uns äusserst bequem und sicher anfühlt. Deshalb tun wir gut daran, unsere Gewohnheiten von Zeit zu Zeit bewusst zu durchbrechen. Unser Verstand lernt dadurch, Dinge auch einmal anders anzugehen oder ganz neu zu gestalten. Wenn wir warten, bis wir dazu gezwungen werden, könnte es für uns stressig werden. Das passiert immer dann, wenn wir das Gefühl haben, wir werden plötzlich mit dem «Unbekannten» konfrontiert und dadurch aus unserer Gewohnheit gerissen.

  • Beobachte dich, wie du dich unter der Dusche wäschst und abtrocknest. Verändere für dich den Ablauf.
  • Wechsele beim Essen, Zähneputzen etc. von rechts auf links oder umgekehrt.
  • Nimm einen anderen Weg, wenn du das nächste Mal einkaufen fährst.
  • Kombiniere Kleidungsstücke neu miteinander.
  • Probiere einen neuen Haarschnitt oder eine neue Haarfarbe aus.
  • Geh zu einer anderen Zeit ins Bett
  • Sprich jemanden an, den du nicht kennst.
  • Fahre einmal im Jahr an einen Ort, an dem du noch nie vorher warst.
  • Erfinde ein eigenes, neues Verhaltensmuster, was dir guttut


Zum Schluss noch eine kleine Anregung zum Nachdenken:

Ein Vogel sitzt auf einem dünnen Ast. Warum hat er keine Angst? Wem vertraut er mehr, dem Ast oder seinen Flügeln?

Wir alle haben schon schwierige Situationen und Hindernisse in unserem Leben gemeistert. Diese Erfahrungen sind unsere «Flügel», unsere Ressource, auf welcher wir Kraft, Mut und Selbstvertrauen aufbauen, um vertrauensvoll im Leben voranzuschreiten.

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.
Lucius Annaeus Seneca

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