Nein sagen – sich selbst ermächtigen

Ehrlichkeit zu uns selbst fordert als Konsequenz oftmals ein «Nein». Sind wir uns im Klaren darüber, was wir wollen und was nicht, reicht ein «Nein-Denken» bei den meisten Menschen nicht aus, um eine tatsächliche Veränderung herbeizuführen. Warum fällt es uns so schwer, nein zu sagen?

Das Wort «nein» auszusprechen bedeutet, eine Entscheidung zu treffen. Viele von uns haben Angst vor diesem konsequenten Schritt, weil wir in dem Moment die volle Verantwortung für unsere Entscheidung tragen müssen. Sagen wir statt «nein» lieber «ja» oder «okay», ist das jedoch genauso eine Entscheidung. Trauen wir uns nicht, uns zu entscheiden, wird ein anderer dies früher oder später für uns tun. Spirituell nennen wir das dann «Schicksal» oder «Lebensplan». Unser Weg ist hier schon genau vorgezeichnet und wir brauchen ihn nur noch zu finden und abzulaufen, denn alle Entscheidungen wurden bereits im Vorfeld getroffen.

Das «Nein» auszusprechen ist deshalb so wichtig, weil es uns gleichzeitig ein tiefes, kraftvolles und authentisches «Ja» zu uns selbst spüren lässt. Tun wir das nicht oder denken es nur, werden wir früher oder später frustriert durchs Leben gehen. Wir fühlen uns genervt oder gestresst, ohne dabei zu erkennen, dass wir selbst die Ursache dafür gesetzt haben. Aus dieser Perspektive heraus betrachtet ist Burnout nichts weiter als ein ständig gedachtes, aber unausgesprochenes «nein». Tatkraft entsteht dann, wenn unser Denken und Handeln im Einklang stehen. Durch das Handeln bleiben wir in Bewegung, indem wir vielleicht unsere Vorhaben ändern oder ganz neue Wege beschreiten. Anhand der nachfolgenden Fragen und Anregungen kannst du für dich überprüfen, inwieweit du bereit bist, konsequent «ja» oder «nein» zu sagen.

  • Bist du manchmal wütend oder frustriert? Wut und Frustration sind Emotionen, die wir oftmals nicht zulassen. Wir sagen stattdessen lieber, dass wir genervt oder gestresst sind. Stress ist unter anderem eine Reaktion, Wut oder Frustration nicht ausdrücken zu dürfen. Unterdrücken wir diese Emotionen, gleicht das einem Brett, welches man in eine aufschiessende Wasserfontäne hält. Der Druck wird ansteigen, bis das Brett entweder wegfliegt oder bricht. Auf der menschlichen Ebene haben wir dann einen Wutausbruch oder einen Wutanfall, was bedeutet, dass die Wut uns förmlich anfallen muss, damit wir sie wieder wahrnehmen. Staut sich Frustration im physischen Körper, kann dies zu verschiedenen Symptomen führen wie Nägelkauen, nervösen Händen oder dem «Restless-leg-syndrom», welches uns symbolisiert, dass wir endlich loslaufen wollen. Viele Menschen können mit Frustration nicht adäquat umgehen. Statt sie als Kraft zu nutzen, wird sie nach außen projiziert, indem wir andere verurteilen und ihnen die Schuld an unserem Frust geben.

  • Hast du regelmässig das Gefühl, du «musst» etwas tun? Etwas zu müssen entspringt oftmals einem Hierarchiedenken, in welchem das kleine «ich» sich einer übermächtigen Aussenwelt ausgesetzt und deshalb handlungsunfähig fühlt. Wir trauen uns dann nicht, uns abzugrenzen und reagieren auf Aussenreize entweder aktiv (Aggression) oder passiv (Depression), was uns viel Kraft kostet und auf Dauer erschöpft. Etwas zu müssen weist unter anderem darauf hin, dass wir uns innerhalb der Matrix bewegen, wie wir in entsprechendem Kapitel noch sehen werden.

  • Überprüfe für dich, inwieweit du dir von den Medien das Leben diktieren lässt. Sowohl die Mainstream Medien als auch Facebook & Co. haben einen immensen Einfluss auf unser Denken und Handeln. Sei mutig und traue dich, auch zu etablierten Meinungen und Sichtweisen «nein» zu sagen, wenn sie nicht deiner inneren Wahrheit entsprechen.

  • Haderst du manchmal mit dem Schicksal und hast Gedanken wie «warum gerade ich»? Überprüfe, inwieweit du dich vor Konfrontation scheust. Die meisten Menschen, die ihre Post nicht öffnen oder regelmässig Alkohol oder andere Drogen konsumieren, flüchten vor der vermeintlich harten Realität. Durch die mangelnde Konfrontation verlieren wir jedoch die Kontrolle über unser Leben. Wir fühlen uns «ohn-mächtig» und zeigen stattdessen mit dem Finger auf die bösen Mächtigen und geben ihnen die Schuld an unserem Schicksal.

  • Wir leben in einer polaren Welt, in welcher das «nein» zum «ja» gehört, so wie die Nacht zum Tag oder die Ebbe zur Flut. Manche Menschen wollen jedoch mit der «dunklen» Seite nichts zu tun haben und lehnen sie deshalb ab. Zum Lichtvollen gehört das bedingungslose «ja». Es wird deshalb erhöht, während das «nein», welches eine ablehnende, egoistische Haltung symbolisiert, abgewertet wird. Verdrängen wir jedoch einen Pol, bauen wir damit immer eine Hierarchie und ein Feindbild auf. Das «bedingungslose» Ja hat keinerlei Bedeutung, solange wir nicht auch nein sagen können.

  • Überprüfe für dich, wie oft du in deinem Leben Kompromisse eingehst. Nicht jeder Kompromiss ist zwingend schlecht. Vereinbarungen sind zum Beispiel Kompromisse, die in gegenseitigem Einvernehmen getroffen werden. Faule Kompromisse hingegen basieren auf einer Entscheidung, zu der wir uns haben drängen lassen. Sie erzeugen meist schlechte Laune und eine Freudlosigkeit im Handeln. Lass dich nicht zu sehr von den Meinungen anderer beeinflussen. Nimm Ratschläge dankend an und gleiche ab, ob sie auch deiner eigenen Wahrheit entsprechen.

  • Gebrauchst du öfters Ausreden? Ausreden könnte man auch als «wischi-waschi-nein» bezeichnen. Wir benutzen sie, um uns aus der Verantwortung zu ziehen oder um schwierige Situationen zu umgehen. Ausreden nützen niemandem, sei deshalb mutig und steh zu deiner Entscheidung. Auch wenn es dir schwerfällt realisiere, dass du in dem Moment der Stärke auch ein kraftvoller Spiegel für dein Gegenüber bist. Manchmal wollen wir anderen nicht auf den Schlips treten oder haben Angst, egoistisch zu wirken und begründen deshalb jede Entscheidung, die wir treffen. Beobachte dich dabei, ob deine Begründungen auf einem schlechten Gewissen oder Schuldgefühlen beruhen oder ob du tatsächlich ein authentischer «Erklär-Bär» bist.

  • Nimmst du zu viel Rücksicht auf andere? Viele Entscheidungen werden um des lieben Friedens willen getroffen. Dabei entstehen Kompromisse, in denen du deine eigenen Bedürfnisse zurücksteckst. Besonders in der Partnerschaft und im Liebesleben neigen wir dazu, es dem anderen recht machen zu wollen. Sind unsere Bedürfnisse unterschiedlich, sollten wir dies zum Ausdruck bringen und mit unserem Partner über unsere Wünsche sprechen. Auf diesem Weg wahren wir unsere Integrität und begegnen dem anderen offen und ehrlich.

  • Überprüfe für dich, ob du in deinem Leben zu viel Neues anfängst, ohne das Alte abzuschliessen. Etwas zu Ende zu bringen heisst, sich dafür zu entscheiden, dass etwas vollendet und damit «sichtbar» werden soll. Rühren wir in zu vielen Töpfen gleichzeitig, wird uns das auf Dauer nicht befriedigen und unseren Verstand überlasten. Treffe eine klare Entscheidung, welche Projekte du zu Ende bringen willst und welche nicht. Dadurch entsteht Klarheit und Kraft, mit deren Hilfe du dich neu fokussieren kannst.

  • Gönnst du dir genug Ruhepausen? Allein schon aus der Liebe zu uns selbst heraus sollten wir die Bedürfnisse unseres Körpers nicht ignorieren. Dieses bedingungslose «ja» zu uns selbst fordert manchmal ein konsequentes «nein», um Stress zu vermeiden und uns damit selbst zu schützen. Übergehen wir unsere natürlichen Ruheimpulse, können Krankheiten entstehen. Auf diese Art verschaffen wir uns, gesellschaftlich gesehen, «legitime» Auszeiten.

  • Erstelle eine Liste mit Dingen, die du in Zukunft nicht mehr tun willst. Zu welchen drei Dingen hast du ein entschiedenes «nein» ?

Ob wir nun «ja» oder «nein» sagen, ist letztendlich nicht entscheidend, sondern «wie» wir es sagen. Ein «nein» in Form von Ausflüchten wird andere nicht wirklich beeindrucken. Ein Kompromiss-«nein», welches wir zum Beispiel benutzen, um bei Wahlen das «geringere Übel» zu wählen, wird uns nicht glücklich machen. Benutzen wir ein hartes, im negativen Sinne egoistisches «nein», gleicht dies einem nassem Waschlappen, den wir jemandem um die Ohren hauen. Wir brauchen uns dann nicht zu wundern, wenn entsprechende Reaktionen auf uns zurückprallen. Ein klares, freundliches und entschiedenes «nein» entspringt immer unserer inneren Klarheit. Wenn wir dieses konsequente «ja» oder «nein» wohlwollend, aber entschieden aussprechen, bewahren wir damit unsere Integrität und unsere Ehrlichkeit gegenüber uns selbst. Darüber hinaus sind wir wunderbare Spiegel für alle diejenigen, die mehr Klarheit und Konsequenz in ihr Leben bringen möchten.

Wenn das Pferd tot ist, steig ab
Weisheit der Dakota

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