Immer Ärger mit  den Feindbildern

Wir kennen sie alle, die Werbung für Desinfektionsmittel, in der winzige Bakterien zu riesigen Monstern mutieren, um so ihre Gefährlichkeit zu demonstrieren. Sie sind überall, und damit meine ich nicht nur die Bakterien, sondern die Feindbilder, die man in unsere Köpfe einzupflanzen versucht. Sie nisten sich dort ein und suggerieren uns eine Bedrohung, auf die wir mit Überlebensangst reagieren. Unser Grundgefühl wird dadurch angegriffen und schrumpft zu einem Unsicherheits- und Unwohlseins-Gefühl zusammen.

Feindbilder lassen sich grob in vier Gruppen aufteilen: Menschen-Feindbilder, Feindbilder, die den physischen Körper bedrohen, unsichtbare, übermächtige Feindbilder und Konkurrenz-Feinde. Zur ersten Gruppe der Menschen-Feindbilder zählen vor allem andere Völker oder Rassen, die eine scheinbar feindliche Gesinnung haben. Mag man den Medien Glauben schenken, besteht durch sie unterschwellig immer eine Kriegsgefahr. Zu den Menschen-Feindbildern zählen auch die Kultur-Feinde, also alle Menschen, deren andere Kultur oder Konfession uns bedrohlich erscheint, aber auch politische Gruppen, die als Feinde im eigenen Land dargestellt werden.

Die Liste der körperbedrohenden Feinde scheint laut Wissenschaft endlos zu sein. Hier tummeln sich gefährliche Bakterien, Viren oder Pilze, die drohen, unseren Körper von innen zu zerstören, ausserdem alle chemischen Stoffe, die sich in Lebensmitteln befinden. Dazu gesellen sich Schwermetalle und giftige Substanzen, die wir unfreiwillig einatmen. Krankheits-Diagnosen im allgemeinen versetzen uns in Angst und Schrecken und werden durch Attribute wie «bösartig» oder «unheilbar» noch zusätzlich verstärkt. Es findet ein «Kampf im Körper» statt und wir werden aufgefordert, einen Kampf gegen den eigenen Körper und dessen angebliche «Schwachstellen» zu führen. Die Vermutung liegt nahe, dass wir ohne die moderne Medizin eigentlich gar nicht überlebensfähig sind.

Die Gruppe der unsichtbaren Feinde ist unterschwellig die bedrohlichste, weil uns der Feind als übermächtig erscheint. Dazu gehören zum einen ein strafender Gott, aber auch alle Umwelteinflüsse, wie zum Beispiel Klimakatastrophen. Viele Menschen fürchten sich zudem vor Strahlung, Frequenzen oder Radioaktivität, die uns einen körperlichen Schaden zufügen sollen. Mit von der Partie sind hier zum Beispiel Computer-, WLAN oder Mobilfunk-Strahlen sowie Hochspannungsleitungen, Radar und Atomkraftwerke. Oftmals sind es Aussagen von Spezialisten, die wir irgendwann einmal gehört oder gelesen haben und die uns in Alarmbereitschaft versetzen. Es soll hier jedoch nicht um Verharmlosung gehen, sondern lediglich die Art und Weise der Betrachtung aufgezeigt werden.

Die letzte Gruppe der Konkurrenz-Feinde ist die am wenigsten bedrohliche, dafür aber die am weitesten verbreitete Gruppe. Mit dem Konkurrenzdenken werden wir schon sehr früh im Leben konfrontiert. Spätestens in der Schule lernen wir dank alters-homogener Klassen und dem Schulnoten-System, uns mit anderen zu messen und zu vergleichen. Am Arbeitsplatz unterstehen wir meist einer hierarchischen Firmenstruktur. Wollen wir uns «hocharbeiten» müssen wir zwangsläufig andere Mitarbeiter als Konkurrenten sehen und hinter uns lassen. Im Sport sind viele Sportarten auf «gewinnen» oder «verlieren» ausgerichtet, wo wir gegen einen «Gegner» kämpfen müssen.

Unsere gesamte Art zu leben und zu denken ist von Feind- und Konkurrenzbildern geprägt. Nehmen wir das für uns als Wahrheit, befinden wir uns ständig in Alarmbereitschaft und sehen das Leben als einen Lebens-«Kampf», den es zu bewältigen gilt. In unserer Leistungsgesellschaft haben wir die Konkurrenz-Brille auf, und das betrifft nicht nur die älteren Generationen. Auch die jüngeren sind über soziale Medien wie Facebook, Instagram etc. ständigem Konkurrenzdruck ausgesetzt. Dabei sind diese Medien, einmal positiv betrachtet, wunderbare Plattformen, um unsere Ideen, Kreationen und Besonderheiten einer Vielzahl anderer Menschen zugänglich zu machen.

Alle Feindbilder sowie das Konkurrenzdenken stehen auf einem soliden Fundament von Urteilen. Dabei ist von vorne herein klar, wer die Guten und wer die Bösen sind. Wir übernehmen das als Wahrheit und bauen so unser Weltbild zusammen. Unser Aggressionspotential steigt mit zunehmender Fixierung, bis wir irgendwann nur noch Spinnen an der Wand sehen. Parallel dazu werden wir immer ängstlicher, weil wir die vielen Bedrohungen nicht mehr kontrollieren können und uns hilflos ausgeliefert fühlen.

Unser eigener Wert steigt und fällt mit jedem Sieg und jeder Niederlage. Verlieren wir in unseren Augen zu häufig, sehen wir uns selbst als Versager und erleiden möglicherweise einen kompletten Selbstwert-Einbruch. Den eigenen Wert an Erfolg zu knüpfen ist verlockend, denn es erscheint recht einfach, im Aussen etwas «Erfolgreiches» zu produzieren und unseren Selbstwert daran zu bemessen. Durch diese Verknüpfung entsteht aber auch Erfolgsdruck, den wir aufrecht erhalten müssen, um uns selbst noch ins Gesicht schauen zu können. Stecken wir in der Konkurrenz-Falle, sollten wir bedenken, dass unser Sieg auch gleichzeitig eine Niederlage für andere bedeutet. Es wird für uns leichter, wenn wir uns das deutsche Sprichwort «was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu» zu Herzen nehmen und unser Denken zukünftig auf »miteinander» statt auf «gegeneinander» ausrichten. Wir schaffen damit Win-win-Situationen, die allen Beteiligten zugute kommen.

Das Installieren von Feindbildern, die unser Überleben bedrohen hat zur Folge, dass wir uns zunächst einmal klein und hilflos fühlen. Besonders den unsichtbaren Feindbildern sind wir zudem noch machtlos ausgeliefert, was schnell in die Resignation führen kann. Wir denken dann solche Sätze wie «was kann ich als einzelner schon tun» oder «damit muss ich wohl leben». Um diesen ganzen Beeinflussungen zu begegnen kommen wir nicht umhin, wieder unsere eigene, wahre Grösse anzunehmen. Der angebliche Feind ist nämlich nur dann einer, wenn wir vor ihm Angst haben und zurückweichen. Das Feindbild «braucht» die Furchtsamen, sonst würde es einfach in sich zusammenfallen. Bakterien können sich nur vermehren, wenn der physische Körper sich von der Frequenz her im Angst-Stress-Modus befindet. Ruhen wir in unserer Mitte, passiert nämlich gar nichts. Wir haben es also in der Hand. Der angebliche Feind wird in sich zusammenschrumpfen, sobald wir ihm unbeeindruckt in unserer wahren Grösse gegenüber treten und ihm keine Angriffsfläche mehr bieten.

Wer den Feind umarmt, macht ihn bewegungsunfähig
Nepalesisches Sprichwort

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