Glücksgefühle – annehmen was ist

Zu einem modernen Lifestyle gehört heutzutage, das Leben in vollen Zügen zu geniessen. Über das Internet finden wir unzählige Tipps und Ratschläge, wie wir unseren Alltag besser, glücklicher und vor allem genussvoller gestalten können. Glücks-Coaches bieten Genuss-Trainings an, bei welchen wir lernen können, Momente ganz bewusst wahrzunehmen und mit allen Sinnen zu geniessen. Urlaub, leckeres Essen, schöne Musik und romantische Zweisamkeit stehen uns als Angebote zur Verfügung, um uns wieder mehr zu spüren und um ein Gegengewicht zu unserem anstrengenden Alltag zu schaffen.

Viele Menschen haben dennoch ein Problem mit dem Genuss. Das erwartete Glücks-Gefühl will sich einfach nicht einstellen oder wird von den täglichen Sorgen überschattet. Manche Menschen erlauben es sich erst dann zu geniessen, wenn alle Probleme gelöst oder der richtigen Partner gefunden ist. Aus Mitleid trauen wir uns nicht wirklich glücklich zu sein, weil andere es auch nicht sind. Oftmals haben wir auch Angst davor, dass das Glück uns wieder verlassen könnte und ersparen uns diese Enttäuschung. Das Leben dauerhaft zu geniessen können sich die wenigsten vorstellen und halten ihr Glücksgefühl deshalb in Schach oder erlauben es sich nur für einen begrenzten Zeitraum. Dies liegt daran, dass wir oftmals lieber leiden, weil wir immer noch meinen, dadurch «tiefere» Erfahrungen machen zu können.

Wenn wir etwas wahrhaftig geniessen, tun wir das mit allen Sinnen. Über die Sinneswahrnehmung entsteht in unserem Körper eine positive Rückkopplung, die in uns Wohlgefühle auslöst, welche wir als äusserst angenehm empfinden. Entscheidend dabei ist jedoch nicht der äussere Anlass, sondern die Wahrnehmung in unserem physischen Körper. Beachten wir ihn nicht oder lehnen ihn sogar ab, können wir uns noch so viele Genussmomente erschaffen, unser Körper wird darauf nicht oder nur wenig reagieren. Als Menschen auf der Erde haben wir als «Seele» oder «Geistwesen» einen physischen Anteil. Unser physischer Körper ist eine absolute Besonderheit und in sich perfekt. Fehlt unserem Körper jedoch die Liebe und die Wertschätzung, werden wir nicht in der Lage sein, wirklich zu geniessen. Wenn wir uns auf den Vergleich mit anderen einlassen, werden wir zwangsläufig immer schlechter abschneiden und uns als unzulänglich und makelhaft empfinden. Lehnen oder werten wir das Materielle ab, betrachten wir den physischen Körper oftmals auch als minderwertig.

Kindern ist das Konzept des Vergleichens und Urteilens völlig fremd. Sie reagieren unmittelbar mit ihrem Körper und sind dadurch fähig, mit allen Sinnen Dinge wahrzunehmen und darin aufzugehen. Anhand der nachfolgenden Fragen und Anregungen kannst du über dein Verhältnis zu Glück und Genuss reflektieren.

  • Machst du Genuss davon abhängig, wie es dir gerade geht? Überprüfe, inwieweit du deinen Launen zu viel Platz in deinem Leben einräumst. Nimm dein Grundgefühl wahr. Fühlst du dich wohl an dem Ort oder dem Haus, in dem du lebst? Gestalte deine Umgebung so, dass sie dir Rückhalt gibt und du dich uneingeschränkt wohl fühlst.

  • Unsere Gedanken und Glaubenssätze diktieren uns oft, wann wir glücklich sein dürfen oder wie Genuss sich anfühlen sollte. Gängige Glaubensstrukturen sind zum Beispiel: «Ich muss erst etwas leisten, bevor ich mir etwas gönne», «Erst die anderen, dann ich» oder «Erst die Arbeit, dann das Vergnügen». Hinterfrage deine Gedankenmuster regelmäßig, um zu einer offeneren, erweiterten Sichtweise zu gelangen.

  • Hast du Angst vor dem Glücklichsein? Vielleicht begrenzt du Freude und Genuss gerne auf einen bestimmten Zeitraum oder auf ein sicheres »Quäntchen«. Traue dich, weniger zu arbeiten und dir mehr zu gönnen. Mit der Zeit wirst du mehr und mehr Vertrauen gewinnen, dass dir das Glück garantiert nicht über den Kopf wächst.

  • Träumst du lieber vom Glück, anstatt es real zu erleben? Schaust du gerne Filme, in welchen die Protagonisten ihre Gefühle zeigen und alles gut ausgeht? Filme können uns sehr gut spiegeln, was uns im Leben fehlt. Schau genauer hin und überlege, wie du bestimmte «schöne Momente» in dein Leben adaptieren kannst.

  • Manche Menschen glauben, Glück und Freude nur dann geniessen zu dürfen, wenn anderen Menschen dies auch tun. Oder anders ausgedrückt: Wir gönnen uns nichts, weil es dem Rest der Welt so schlecht geht. Glück und Freude müssen nicht unbedingt geteilt werden, um sich zu offenbaren. Erlaube dir, auch mal ganz für dich alleine glücklich zu sein und dich zu geniessen. Dadurch bist du für andere ein schönes Vorbild, liebevoll und gut zu sich selbst zu sein.

  • Manche Menschen glauben, dass wahrhaftiges Glück und Genuss nur ausserhalb dieser Welt existieren kann. Damit rücken sie das Glück in den Bereich des Unerreichbaren. Diese Glaubensstruktur resultiert aus der Vorstellung, dass das Leben auf der Erde an Bedingungen und Begrenzungen gebunden und deshalb schwer und mühselig ist. Überprüfe für dich, inwieweit du die physische Materie als «Last» empfindest.

  • Bist du manchmal neidisch auf das Glück anderer? Mache dir bewusst, dass du damit andere idealisierst. Erlaube dir stattdessen, dich an deinen eigenen, einzigartigen Qualitäten zu erfreuen und diese zu geniessen.

  • Eine wunderbare Möglichkeit, um glücklicher durchs Leben zu gehen, ist Vorfreude. Kinder spiegeln uns oftmals diesen Zustand, indem sie sich schon wochenlang auf bestimmte Ereignisse wie Geburtstag, Weihnachten, Urlaub etc. freuen und diese Vorstellung immer wieder zum Ausdruck bringen. Als Erwachsene haben wir damit meistens aufgehört. Nutzen wir also die Energie der Erwartungs-Freude, um damit schöne Momente zu erschaffen, und zwar völlig unabhängig davon, ob diese eintreten oder nicht.

Neben dem körperlichen Genuss existieren auch geistige Glücksgefühle. Unser Geist liebt es geistig zu reisen, indem wir zum Beispiel tagträumen, Pläne schmieden oder gedanklich schöne Ereignisse kreieren. Wir entwickeln so Vorfreude auf das Kommende. Auch können wir uns geistig in die Vergangenheit bewegen und schöne Momente noch einmal genießen. Wenn ich an die ersten Begegnungen mit meinen Mann zurückdenke, lösen diese auch nach Jahren noch viel Liebe und Glücksgefühle in mir aus. Die Gefühle, die wir durch die Freude und den Genuss erleben, wirken rückkoppelnd sehr erweiternd auf unseren Geist. Sie fördern unsere Kreativität, unsere Selbstwahrnehmung und können sich sogar heilsam auf unsere Zellen auswirken.

Bedingungsloses Glück bedarf keinerlei äusserer Anreize mehr. Genuss in der Stille zu finden, ist für viele Menschen eine Herausforderung. Insgeheim wissen wir, dass wir in der inneren Stille, einem glückseligen Zustand, zutiefst mit uns verbunden sind. Dies ist mit ein Grund, warum so viele Menschen meditieren. Meditation ist ein guter Einstieg in die innere Stille. Allerdings nehmen die meisten in der Meditation ihren physischen Körper nicht mehr wahr und versuchen nur, ihre Gedanken zu beruhigen oder abzuschalten. Innere Stille ist jedoch ein physischer Zustand, die Gedanken sind dabei eher nebensächlich. Wer Probleme mit Gedankenzudrang hat, kann die Meditation mit offenen oder halboffenen Augen durchführen. Wir bleiben auf diese Weise in unserer vollen Präsenz mit dem physischen Körper verbunden und können unser Gedankenkarussel viel leichter anhalten.

Übung: Nur hören

Eine leichte Übung, um mit der inneren Ruhe in Kontakt zu kommen, ist das «nur hören». Wir nehmen dabei eine Haltung ein, die uns gerade angenehm ist. Die Augen können offen oder geschlossen sein. Nun nehmen wir die Aussengeräusche wahr. Wir stellen uns dabei vor, dass die Geräusche nur bis zu unserer Ohrmuschel vordringen, jedoch nicht weiter. Dann richten wir unser Aufmerksamkeit in das Innere unseres Körpers. Dort befindet sich unsere persönliche «Ruhezone». Um diese innere Stille ganz bewusst wahrzunehmen, wechseln wir in unserer Wahrnehmung zunächst zwischen Aussen und Innen hin und her, bis wir ganz bewusst die Stille im Inneren spüren und annehmen können. Diese Übung lässt sich wunderbar an lauten Plätzen wie Bahnhöfen oder Flughäfen durchführen. Kein Geräusch von Aussen hat die Macht, in unser Inneres einzudringen, es sei denn wir öffnen uns dafür. In unserer inneren Stille sind wir völlig souverän und zentriert. Sie unterstützt unsere Regeneration und lässt uns neue Kraft schöpfen.

  • Fühlst du dich wohl mit dir? Geniesse deine Körperlichkeit. Wir können Glück und Freude empfinden, indem wir uns gewahr werden, dass wir in unserem Körper zu Hause sind. Spüre in dich und erfreue dich daran, dass dein physischer Körper dir hier auf der Erde als Werkzeug zur Verfügung steht. Wenn ich morgens aufwache, überkommt mich oft spontan ein Glücksgefühl und ich danke meinem Körper für die wundervolle Zusammenarbeit.

  • Geniesse das Zusammensein mit deinem Partner. Vergiss für eine Moment alle Klischees und Vorstellungen, wie eine Beziehung zu sein hätte. Trau dich, alles darf sein, nichts muss.

  • Erfreue dich an «Zuwachs». Wenn du von aussen Angebote in Form von Geld, materiellen Gütern oder guten Gelegenheiten bekommst, geniesse es und nimm sie in Dankbarkeit an. Dankbarkeit macht glücklich, glückliche Menschen sind dankbar.

  • Räume auf: Was dich nicht glücklich macht, kann weg.

Glück ist wie Liebe immer anwesend. Sobald wir es uns erlauben, die täglichen Glücksmomente zu genießen, fangen wir an, Genuss und Freude wieder in unser Leben zu integrieren. Indem wir uns unseres physischen Körpers gewahr werden und ihn wertschätzen, erkennen wir die Kraft und die Kreativität, die wir durch dieses «Werkzeug» im Physischen ausdrücken können. Der einfachste Weg dorthin ist das «in sich selbst verlieben». Das mag zunächst banal klingen, ist aber letztendlich der Schlüssel zu unserem wahrhaftigen, höchsten Wert. Das Leben auf der Erde ist an den physischen Körper unabdingbar gebunden. Wir können zwar geistig reisen, aber trotzdem physisch nicht aus unserem Körper «herausspringen», sondern höchsten in uns «herumspringen» (was sehr viel Freude machen kann). Das bedingungslose Annehmen unseres Körpers ist die höchste Form der Anerkennung, die wir uns selbst geben können. Wir werden uns dabei bewusst, dass wir selbst unseren Körper in seiner Einzigartigkeit erschaffen haben. Nur wir sind dafür verantwortlich, wie wir aussehen, wie wir uns kleiden, pflegen, nähren und welche Ausstrahlung wir haben. Wenn wir uns in einen anderen Menschen und dessen Besonderheit verlieben, wird unsere Umgebung das unweigerlich an unserer Verliebtheits-Schwingung ablesen können und darauf reagieren. Das «in sich selbst verlieben» könnte man auch als das Entdecken der eigenen Einzigartigkeit und Besonderheit bezeichnen. Gehen wir damit eine Verbindung ein, schaffen wir eine Basis für tiefe Selbstliebe und Selbstvertrauen. Diese Art des Gewahrwerdens können wir nur über das Fühlen auf der körperliche Ebene erreichen, niemals nur über den Geist oder die Gedanken. Unser Herz kann sich sanft öffnen und sowohl nach aussen als auch nach innen strahlen. Die Freude, die dabei entsteht, erzeugt in uns ein solches Wohlgefühl, dass der Körper kaum noch die Notwendigkeit sieht, sich durch Krankheiten Aufmerksamkeit zu verschaffen. Durch die Freude und Wertschätzung setzt er immens viel Energie für Aktivitäten frei, die von innen nach außen strahlt und uns gesund und lebendig hält.

Übung: Das Herz stahlen lassen

Suche dir ein schönes Musikstück aus, welches dich berührt. Es darf alles sein, was dir gefällt, idealerweise nimm ein etwas langsameres Stück. Nimm die Musik im Inneren deines Körpers wahr. Spüre, wie deine Zellen auf die Musik reagieren. Vielleicht spürst du ein Strömen oder Vibrieren oder einfach nur ein angenehmes Gefühl. Richte deine Aufmerksamkeit nun in die Mitte deines Brustbeins. Mit ein bisschen Übung findest du schnell den Bereich, der sich für dich richtig anfühlt. Nimm die Musik dort wahr und spüre, wie dein Herzbereich anfängt, auf die Musik zu reagieren. Spürst du ein angenehmes Gefühl, Pulsieren oder Licht, lass es von dort in den restlichen Körper strahlen.

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