Gefühle und Emotionen

Gefühle und Emotionen scheinen eine grosse Bedeutung für unser psychisches Wohlbefinden zu haben. Während die Generation der heute Älteren (1940-1960 Geborene) noch dazu angehalten wurde, möglichst wenig Emotionen zu zeigen, beziehungsweise diese gut zu kontrollieren, hat man den nachfolgenden Generationen genau das Gegenteil empfohlen, nämlich Gefühle zuzulassen, Ängste loszulassen, Trauer zu erlösen und so weiter.

Ebenso wie alles andere auf der physisch-menschlichen Ebene werden auch Emotionen gerne in «positiv» und «negativ» eingeteilt, also solche, die sich angenehm und andere, die sich eher unangenehm anfühlen. Emotionen wie Wut, Neid oder Trauer sollen wir transformieren, damit wir von ihnen nicht mehr belästigt werden. Emotionen wie Liebe, Glück und Freude sollen sich am besten von selbst vermehren und uns dann dauerhaft glücklich machen.

Ein Gefühl funktioniert wie eine Antenne, mit der wir etwas wahrnehmen, also erfühlen können. Wir sagen dann zum Beispiel: «Ich habe das Gefühl, ich sollte besser die Bahn nehmen und nicht das Auto». Eine solche Wahrnehmung hilft uns, schnelle und intuitive Entscheidungen zu treffen. Dabei hat das Gefühl immer einen Bezug zu etwas Aktuellem oder Zukünftigem, das heisst es steht nicht in Verbindung mit der Vergangenheit.

Eine Emotion erzeugt ein Emotionsfeld (Schwingungsfeld) und kann sich auf ein «Thema» aus der Vergangenheit oder Gegenwart beziehen. Wir können unsere eigenen Emotionsfelder wahrnehmen, indem wir uns dabei gut oder schlecht fühlen. Bei anderen Menschen spüren wir an der Ausstrahlung, mit der wir in Resonanz gehen, ob jemand zum Beispiel gerade wütend oder traurig ist.

Signalgebung

Emotionen fungieren unter anderem als Signalgeber. Im Gegensatz zu angenehmen Emotionen wie Liebe, Freude und Glück, die aus sich selbst heraus entstehen können, brauchen Wut, Neid und Eifersucht immer einen Startpunkt, also eine Information im Aussen. Wir können Liebe und Freude empfinden, wenn wir im Garten sitzen und uns einfach nur wahrnehmen, während uns das mit Wut nicht gelingt. Emotionen wie Wut, Neid und Trauer sind oft mit einem Kontext belegt. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Information aktuell ist oder aus der Vergangenheit stammt. Beispiel: Unser Chef hat uns kritisiert. Sobald wir an dieses Erlebnis denken (gespeicherte Information), entsteht die Emotion dazu (zum Beispiel Wut oder Angst). Oder wir hören ein Lied im Radio, bei dem wir ein bestimmtes Erlebnis hatten und erinnern uns mittels einer Emotion wieder an das Erlebte. Die Emotion ist dabei in sich zeitlos, das heisst sie kann beliebig gestartet und beendet werden, auch wenn die Information dazu schon «alt» ist, also zum Beispiel aus unserer Kindheit stammt.

«Negative» Emotionen

Vermeintlich negative Emotionen, wie Wut und Frustration, geben uns das Signal, dass wir etwas verändern möchten. Sie stellen uns dazu den nötigen Antrieb und die Kraft zur Verfügung, indem sie im Körper eine Bewegungsenergie erzeugen, die wir in Aktion umsetzen können. Natürlich brauchen wir, um Veränderungen in unserem Leben zu bewirken, nicht jedes Mal wütend oder frustriert zu werden. Das ist anstrengend und auf Dauer auch unangenehm. Je offener und bewusster wir jedoch durchs Leben gehen, desto weniger benötigen wir die sogenannten «negative» Emotionen als Motor, einfach weil wir Missstände schon erkennen, bevor wir einen Widerstand dazu aufbauen.

Ist man neidisch auf jemanden, dann meist deshalb, weil der andere etwas besitzt, das man selbst nicht hat. Neid ist dazu da, uns unsere Wünsche einzugestehen und kann dazu genutzt werden, dass wir unser Leben überdenken und es uns einfach besser gehen lassen sollten. Aus der Sicht heraus, dass uns Emotionen wichtige Signale setzen macht es wenig Sinn zu versuchen, Wut oder Neid loszulassen oder zu transformieren.

Ich selbst habe früher oft damit gehadert, konnte aber zu keinem befriedigendem Ergebnis kommen. Zudem hatte ich immer das Gefühl, durch das Loslassen der Wut etwas nicht sehen zu wollen.

Uns Menschen stehen Emotionen zur Verfügung, um etwas zu erkennen oder um uns besser wahrzunehmen. Allein aus dieser Perspektive erscheint es unlogisch etwas loswerden zu wollen, was in sich eigentlich nützlich und sinnvoll ist.

Emotionen zulassen

Manche Menschen machen sich Sorgen, dass sie weniger fühlen als andere, weil sie zum Beispiel nicht wirklich Trauer empfinden, weinen oder Freude zeigen können. Die Ebene der Emotionen existiert gleichwertig neben allen anderen Ebenen, wie die geistige oder physische Ebene, die uns als Menschen zur Verfügung stehen. Viele von uns ziehen es vor, mehr im Geist zu sein und diese Ebene zu benutzen, um durchs Leben zu gehen. Wir haben dadurch viel weniger Bezug zu emotionalen Ausbrüchen und Schwankungen und bewegen uns lieber in mentalen Feldern. Sind wir mehr körperlich orientiert, können wir Emotionen gut wahrnehmen und sind ausgeglichener, einfach weil wir lieber etwas «tun» und damit die emotionale Energie schneller umsetzen oder abbauen.

Woran merken wir nun, ob wir Emotionen möglicherweise verdrängen? Im Gegensatz zu dem Empfinden von wenig Emotionen, die sich relativ «normal» anfühlen, empfinden wir unterdrückte Emotionen immer als unangenehm. Wir fühlen uns gestaut, unter Druck oder sogar schwach, weil das Verdrängen noch zusätzliche Kraft kostet. Das Verdrängen und Unterdrücken von Emotionen erfordert eine Menge Energie, was sich auf der körperlichen Ebene in Form von Erschöpfung zeigen und auch zu Schmerzen führen kann, wenn wir es nur lange genug praktizieren. An stressigen Tagen geht dabei viel Kraft verloren, weil wir bestimmte Emotionen nicht zulassen und dann zusätzlich Energie brauchen, um sie zu verdrängen.

«Positive» Emotionen

Im Gegensatz zu «negativen» Emotionen brauchen für uns angenehmen Emotionen wie Liebe, Freude und Glück keinen Auslöser, auch wenn wir meinen, dass sich diese Emotionen erst einstellen, wenn zum Beispiel der richtige Partner gefunden oder das Konto gefüllt ist. Deshalb lassen wir uns oft nicht auf diese Emotionen ein, weil wir befürchten, dass ein an äussere Bedingungen geknüpftes Glück uns auch wieder verlassen könnte. Diese «Ent-Täuschung» wollen wir uns ersparen. Sind wir aus uns selbst heraus glücklich, einfach weil wir hier als Mensch auf der Erde sind und erkennen, dass wir unzählige Möglichkeiten haben unser Leben zu gestalten, dann werden wir dadurch auch die Liebe zu uns selbst vermehren und wachsen lassen. Während unangenehme Emotionen verschwinden, nachdem sie ihre «Botschaft» überbracht haben, sind Liebe, Glück und Freude immer da, sobald wir an sie denken und sie dadurch aktivieren.

Das Grundgefühl

Das Grundgefühl ist ein tiefe innere Wahrnehmung, von der wir getragen werden und die uns ein Gefühl von Kraft und innerer Stärke verleiht. Sie ist mit unserem Instinkt verbunden und beeinflusst indirekt auch immer unseren eigenen Wert. Wir sprechen dann vom Selbstwertgefühl.

Mit der Frage »Wie geht es mir?« können wir uns sehr gut auf das Grundgefühl einstellen. Ein gutes Grundgefühl werden wir zum Beispiel nach unserem Lieblingsessen haben oder wenn wir ein Sonnenbad nehmen oder wenn wir mit unseren Liebsten zusammen sind. Das Grundgefühl muss nicht zwingend positiv sein. Wir können wie ein Wellenreiter damit umgehen, der auf den Höhen und Tiefen der Welle entlang surft, ohne sich in den Strudel hineinziehen zu lassen.

Ein angenehmes Grundgefühl stellt sich immer dann ein, wenn zunächst einmal unsere Grundbedürfnisse (Nahrung, Wärme, Sicherheit) erfüllt sind. Darüber hinaus können verschiedene andere Faktoren unser Grundgefühl verändern.
Hier sind einige Beispiele:

  • Wir fühlen uns unwohl an einem Ort oder an unserem Wohnort
  • Wir fühlen uns unterschwellig dauerhaft gestresst, sind unzufrieden und können uns deshalb nur schwer entspannen
  • Der Tiefschlaf fehlt, wir sind lärmempfindlich und wachen bei jedem kleinen Geräusch auf
  • Kleine Probleme erscheinen uns in Elefantengröße (Tunnelblick)
  • Überaktivität: Wir haben das Gefühl, zu viel Energie zu haben, 
die wir nicht umsetzen können.
  • Unteraktivität: Wir müssen uns zu den täglichen Pflichten regelrecht überwinden, fühlen uns gelähmt, blockiert, antriebslos und meiden Veränderungen.
  • Es fehlt uns der Sinn, Burnout (einseitige Überforderung des Geistes) oder Boreout (Unterforderung des Geistes) stellen sich ein
  • Es fehlt uns die Lebensfreude



Unser Selbstwert ist sehr eng mit dem Grundgefühl verknüpft. Fehlt die Basis an Urvertrauen und Sicherheit, kann auch der eigene Wert, das Selbstwertgefühl, nur schwer wahrgenommen werden. Das fehlende Gefühl für den eigenen Wert erzeugt dann wiederum ein ungutes Grundgefühl in Form von Minderwertigkeit. Auch hier profitieren wir ungemein davon, wenn wir dieses Urvertrauen wieder in uns verankern.

Der erste Schritt, das Grundgefühl in Balance zu bringen liegt darin, Vertrauen zu sich selbst aufzubauen. Wenn wir uns zum Beispiel mit guter Nahrung versorgen, erfahren wir zusätzlich das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Ebenso hilfreich ist es sich vorzustellen, dass man einen Körper hat. Das klingt zunächst sehr banal. Mit unserem Körper sind wir fest verbunden, er gehört nur uns und nur wir bestimmen durch unser Verhalten und unsere Lebensgewohnheiten, wie es ihm geht. Die herrschende Meinung, unseren Körper sei schwach, hilfsbedürftig oder unvollkommen, ist ein schwerer Angriff unserer Zivilisation auf unser Grundgefühl. Es kann erheblich gestört und beeinflusst werden durch Informationen, die uns glauben machen sollen, wir müssten gegen unseren Körper kämpfen (zum Beispiel in Form von aggressiven Therapien), um zu überleben. In Wahrheit ist unser Körper immer auf Überleben eingestellt und wird sich niemals selbst zerstören. Jede Krankheit ist ein Reparaturmechanismus, um den Körper zu heilen und um uns Erkenntnisse zu ermöglichen. Unser Körper hat kein Interesse daran, uns auszulöschen, es sei denn, wir treffen bewusst diese Entscheidung. Dann wählen wir zum Beispiel eine schwere Krankheit, um auf diese Weise «gehen» zu können. Der Körper hat von Natur aus die Möglichkeit, sich einfach abzuschalten. Medizinisch würden wir dann sagen, der Mensch ist an Altersschwäche oder an Herzschwäche gestorben.

Kinder und das Grundgefühl

Kinder sind mit ihrem Grundgefühl besonders verbunden. Ihre Grundbedürfnisse werden durch die elterliche Liebe genährt. Fehlt diese, entsteht Überlebensangst. Als Folge werden diese Kinder die Regeln ihrer Eltern nur sehr schwer verstehen und sich dadurch erst recht verloren fühlen. Im späteren Leben können sie sich aufgrund dessen als wertlos und machtlos erleben oder ständig unzufrieden sein, was zu Auseinandersetzungen und energieraubenden Kämpfen in Beziehungen oder am Arbeitsplatz führen kann. Wenn wir als Erwachsene dieses sichere Grundgefühl in unserer Kindheit nicht erfahren haben, sind wir auch nicht in der Lage, es an unsere Kinder weiter zu geben. Es in uns wieder herzustellen, wird unseren Kindern ungemein zugute kommen.

Düfte sind die Gefühle der Blumen

Heinrich Heine

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