Erwartungen, Hoffnungen Befürchtungen – die Komfortzone verlassen


Du wartest darauf, dass etwas passiert? Darauf wartest du vermutlich schon dein ganzes Leben lang. Das Leben ist ein einziger Kompromiss, angefangen beim Job, dem nervigen Chef, dem nörgelnden Partner, dem schlechten Umfeld, der immer zu spät kommenden Bahn, dem ständig leeren Bankkonto, dem schlimmen Wetter, den teuren Lebensmitteln und so weiter.

Was haben wartende Menschen gemeinsam? Sie befinden sich in der sogenannten «Komfortzone». In dieser Zone ist kaum Raum für eine Bewegung, die Ich-Kraft ist auf ein Minimum heruntergefahren und die Inspiration versiegt. Was übrig bleibt ist der Verstand, der es gerade so schafft, die tägliche Routine zu meistern. Vermutlich befand jeder von uns schon einmal an diesem Punkt, mich eingeschlossen.

Als Betroffene haben wir uns in unserem Gewohnheits-Container bequem eingerichtet und bewegen uns dort in der Welt unserer Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche, die in der harten Realität keinen Platz haben. Um der Welt da draussen ihre Ecken und Kanten zu nehmen, greifen wir dann öfters mal zu Alkohol oder tauchen in der Filme- und Serien-Welt ab. Unsere Untätigkeit liegt uns wie ein Bleiklotz auf der Seele, deshalb hadern wir auch manchmal mit dem Schicksal oder bemitleiden uns selbst. Unsere Ich-Kraft ist so schwach, dass der Geist seine Ideen und Handlungsimpulse bereits eingestellt hat, oder anders ausgedrückt, wir sitzen im Wartesaal des Lebens und tun jeden Tag das Gleiche, in der Hoffnung, dass es irgendwann einmal besser wird.

Unser Verstand ist nicht in der Lage, in die Zukunft zu schauen, und das ist auch nicht sein Job. Wir benutzen ihn aber dafür, um mögliche Szenarien zu kreieren, was den Kopf und auch uns selbst mit der Zeit an den Rand der Verzweiflung treibt. Bei gleichzeitiger Untätigkeit ertrinken wir dabei in einer Flut an Möglichkeiten. Wir können quasi gar nicht anders, als uns in eine Scheinwelt flüchten.

Hast du dich schon einmal gefragt, was passiert wäre, wenn jeder Maler nur geträumt, jeder Komponist nur gesummt und jeder Erfinder nur «gedacht» hätte? Nichts wäre passiert. Wir würden womöglich heute noch in Höhlen leben. Erfinder, Künstler und Firmengründer kennen das Wort «vielleicht» nicht. Mutmaßungen wie «man könnte», «müsste» oder «sollte doch mal» sind ihnen fremd. Das schlimmste Wort, was menschliche Entwicklung verhindert ist «irgendwann». Durch eine einfache Methode liesse sich das ganz schnell ändern: Allen Betroffenen wird für mindesten vier Wochen der Fernseher abgestellt und der Alkohol entzogen. Wäre doch mal ein interessantes Experiment.

Unsere Bequemlichkeit resultiert aus der Angst heraus, sich mit der Realität konfrontieren zu müssen. Sie verhindert aber auch Begeisterung und Leidenschaft. Es gibt nur zwei Lebensumstände, die uns aus dieser Zone herauskatapultieren: Sich verlieben oder erkranken. In der Verliebtheit entwickeln wir wahre Leidenschaft, die uns Bäume ausreissen lässt und durch einer Erkrankung werden wir völlig fokussiert auf ein einziges Ziel.

Soweit muss es aber nicht kommen. Um unserem Leben wieder eine Richtung zu geben reicht es schon aus, Verantwortung zu übernehmen, und zwar für ausnahmslos jede Entscheidung, die wir getroffen haben. Denken wir zurück, werden wir feststellen, dass wir am Anfang immer «ja» gesagt haben, zu unserem Arbeitsverhältnis, am Traualtar, zum Autokauf, Mietvertrag und so weiter. Wir sind also, ganz einfach betrachtet, immer Schöpfer unserer momentanen Realität. Indem wir im «Hier und Jetzt» ankommen, lernen wir uns wieder um uns selbst zu kümmern und Klarheit und Kontrolle über unser Leben zu erlangen sowie eine innere Stärke aufzubauen, um unser «Lebens-Haus» in Ordnung zu bringen.

Bist du mutig genug, deiner Realität ins Auge zu schauen? Was kann schlimmstenfalls passieren? Ohne Erwartungen gibt es auch keine «Ent-Täuschungen», ohne Hoffnungen gibt es keine Verzweiflung, ohne Wünsche lernen wir wertzuschätzen, was wir bereits haben und ohne Befürchtungen können wir endlich mal wider frei durchatmen und etwas «tun». Worauf warten wir also noch?

Kleine Übung:
Gibt es etwas, woran du jeden Tag denkst? Egal was es ist, mache es dir zu deinem nächsten Ziel und dann fang an!

Wir hoffen immer auf den nächsten Tag, wahrscheinlich erhofft sich der nächste Tag einiges von uns.
Ernst R. Hauschka

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