Benimm dich – Achtung und Respekt zollen

Begegnen dir auch manchmal unhöfliche, unfreundliche oder mürrische Menschen? Man kann diesen Zeitgenossen noch so viele nette Worte zukommen lassen, es ändert nichts. Wenn Menschen sich schlecht benehmen, hat das meistens zwei Gründe: Entweder leiden sie an Neid und Missgunst oder an unterdrücktem Zorn.

Unangenehme Emotionen sind Signalgeber, die uns daran erinnern, einen Kurswechsel im Leben vorzunehmen. Wut und Frustration sind ein deutlicher Hinweis, dass wir etwas verändern möchten. Sie stellen uns dazu den nötigen Antrieb und die Kraft zur Verfügung, indem sie eine Bewegungsenergie erzeugen, die wir in Aktion umsetzen können. Tun wir das nicht, reagieren wir grantig, bissig oder aggressiv und manchmal auch kalt und gefühllos.

Neid und Missgunst entstehen aus unerfüllten Sehnsüchten, Wünschen und Ansprüchen, die wir nicht formulieren. Wir wollen etwas besitzen, was wir uns jedoch aus moralischen, gesellschaftlichen oder ideologischen Gründen verweigern. Bedürfnislosigkeit ist in einigen Konfessionen immer noch ein edles Relikt und dient als Kompensation für unsere wahren Bedürfnisse. Wir leiden darunter, dass andere das leben, was wir selbst nicht umsetzen. Im Außen begegnen uns dann Menschen, die scheinbar mehr erreicht haben, besser aussehen, intelligenter sind, mehr Geld verdienen und dann – zu unserem Entsetzen – auch noch stolz darauf sind. Viele ältere Menschen sind deshalb verbittert und griesgrämig, weil sie ihr Leben lang nur eine Rolle eingenommen haben, ohne ihren wahren Bedürfnissen Beachtung zu schenken. Auch in der Partnerschaft können wir neidisch auf den Erfolg des anderen reagieren und sind dadurch nicht mehr offen für ein liebevolles Miteinander. Dabei wäre die Lösung relativ einfach. Indem wir uns ehrlich unsere tiefsten Wünsche und Bedürfnisse eingestehen, setzen wir die ersten Impulse zur Handlung und Umsetzung. Solange wir jedoch in Inaktivität verharren oder mit dem Finger auf die anderen zeigen, wird sich unser Verhalten gegenüber unseren Mitmenschen kaum ändern.

  • Wie begegnest du deinen Mitmenschen? Reflektiere darüber, wie sich dein Verhalten auf andere auswirkt und wie du selbst von anderen behandelt werden möchtest.

  • Achte besonders auf deine Worte. Menschen, die an Neid und Missgunst leiden, benutzen oft eine spöttische, zynische oder sarkastische Sprache, die echte Kommunikation unmöglich macht. Wähle im Umgang mit anderen freundliche und wohlwollende Worte für deinen sprachlichen Ausdruck. Winston Churchill hatte diesen Vorteil bereits erkannt: «An bösen Worten, die man ungesagt hinunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben»

  • Manche spirituelle Richtungen vertreten die Ansicht, dass alles, was uns im Aussen begegnet, etwas mit uns zu tun hat. Wenn die Kassiererin dich bei deinem nächsten Einkauf immer noch unfreundlich behandelt, hat das nichts mit dir zu tun. Sie macht dir lediglich ein Angebot, auf ihre Übellaunigkeit zu reagieren und in ihr «Spiel» einzusteigen. Bleib in dem Fall ganz bei dir selbst und denk dir einfach «nein, danke». Manchmal hilft es auch, solchen Menschen eine schöne, entspannte Spiegelung vorzusetzen, indem wir nette Worte wählen oder lächeln. Tue dies freiwillig und ohne die Absicht, dem anderen helfen zu wollen.

  • Wechsele die Perspektive und kehre Neid in Bewunderung um. Nimm deine Bedürfnisse wieder wahr und überlege dir, was du besser machen oder können willst. Idole und Mentoren sind wunderbare Vorbilder und dienen uns als Ansporn, egal welchen Alters. Durch die Bewunderung und den Respekt anderen gegenüber erzeugen wir in uns ein angenehmes, freudiges Gefühl. Unser Geist öffnet sich für neue Ideen und Eindrücke, wir setzen uns neue Ziele und unser Ego ist beschäftigt, anstatt nur zu nörgeln oder sich zu beschweren. Indem wir die positiven Eigenschaften unserer Vorbilder adaptieren und für uns anpassen werden wir uns gewahr, dass auch wir das Recht haben, unser Leben frei und selbstbestimmt zu gestalten.

  • Unfreundliche Menschen erkennt man leicht an ihrem gestressten Gesichtsausdruck und einer verschlossenen Körperhaltung. Nimm in Gesprächen und im Austausch mit anderen eine offene Körperhaltung ein, die dem anderen signalisiert, dass er sich dir vertrauensvoll öffnen kann.

Übung: Das Brustbein aufrichten

Beobachte deine Körperhaltung. Ist dein Becken nach vorne gezogen oder hängen deine Schultern nach unten und verengen deinen Brustkorb ? Stell dir vor, dass eine Schnur an deinem Kopf befestigt ist und dich langsam und sanft nach oben zieht. Beobachte, wie deine Körperhaltung sich dadurch verändert und du auf der Körpervorderseite offener wirst. Finde eine für dich angenehme Haltung. Dann stell dir vor, wie eine Schnur dein Brustbein ganz leicht nach oben/vorne zieht, sodass es sich aufrichtet. Mit dieser Körperhaltung öffnest du energetisch dein Herz und wirst offener für die Kommunikation mit anderen. Eine aufrechte Körperhaltung signalisiert unserem Gegenüber immer Vertrauen und Aufrichtigkeit. Spüre in dich, ob du dich wohl damit fühlst. Anfänglich mag sich eine solche Körperhaltung für uns seltsam anfühlen, weil die meisten von uns daran gewöhnt sind, eine «Schutzhaltung» einzunehmen. Führe diese Übung täglich durch, beginne damit schon am Morgen im Badezimmer. Unseren physischen Körper können wir relativ leicht umprogrammieren, solange wir uns dabei nicht geistig blockieren. Eine offene, aufrechte Körperhaltung kommt auch uns selbst zugute. Wir setzen uns damit ein Signal, aufrichtig und offenherzig durch den Tag zu gehen.

Solange du kein Buddha bist, benimm dich wenigsten wie einer
Lama Ole Niedahl

Scroll to Top