Begründungen sein lassen – geistig entspannen

Es gibt Menschen, bei denen man den Eindruck gewinnt, dass sie unglaublich viel tun. Sie sind den ganzen Tag über aktiv und jede ihrer Handlungen ist wohl durchdacht, sodass sich nichts «Negatives» ansammeln kann. Aus diesem Grund haben sie auch für alles, was in ihrem Leben passiert, eine Erklärung.

Durch diese innere Haltung entsteht ein hoher Anspruch an uns selbst, immer alles richtig zu machen. Dabei neigen wir dazu, uns in selbst auferlegte Verpflichtungen zu verstricken, sodass wir eigentlich nie zur Ruhe kommen. Das ständige «den Durchblick haben müssen» resultiert aus einem überaktiven Verstand und wird uns auf Dauer erschöpfen. Die Stimme unseres Herzens nehmen wir kaum noch wahr.

Herz, Geist und Verstand arbeiten idealerweise zusammen. Wir nennen dies dann Intuition oder die Stimme unseres höheren Selbst. Eine Handlung nur aus dem Kopf heraus zu entscheiden und zu begründen kann sich als schwierig gestalten, weil wir oft so viele Möglichkeiten haben, zwischen denen unser Verstand nur zu gerne hin und her springt. Mit der Hilfe unseres Herzens spüren wir ganz genau, was sich gut und richtig anfühlt und erhalten so eine tiefe, innere Gewissheit. Viele Menschen merken bereits, dass sie zu einseitig aus dem Verstand heraus leben und versuchen aus diesem Grund, ihre vielen Gedanken zu beruhigen oder loswerden zu wollen. Wenn wir die Stimme unseres Herzens wieder integrieren, ist dies gar nicht mehr nötig.

  • Neigst du dazu, zu viel nachzudenken und alles zu begründen? Was bedeutet «nach»-denken für dich? «Nach-denken» heisst nichts anderes, als nach einer bereits passierten (von passer «vorbeigehen») Handlung, also «danach», darüber zu reflektieren. Das Nachdenken geschieht immer im «nach»hinein, ändert aber an der Sache selbst nichts. Mit den «Nach-richten» verhält es sich so ähnlich. Es wird etwas «nach-gerichtet», also neu aus«gerichtet», nach dem wir uns «richten» sollen. Die deutsche Sprache spricht oftmals sehr klare Worte.
    Fragt man Kinder, warum sie etwas tun, verstehen sie oftmals die Frage nicht. Ihre Antwort bringt es auf den Punkt: «Darum». Kinder handeln aus ihrem Herzen heraus, aus der Freude am Tun. Eine Begründung brauchen sie nicht. Die nachfolgenden Fragen und Anregungen mögen dir dabei helfen, Herz, Geist und Verstand wieder mehr in Einklang zu bringen.

  • Neigst du dazu, viel zu planen und zu analysieren? Gönne deinem Kopf einmal eine Pause und geh leichter und spielerischer mit den Dingen um.

  • Die Angst Fehler zu machen sorgt dafür, dass wir zunehmend zweifeln und unflexibel reagieren. Erlaube dir, auch mal unperfekt zu sein. Wenn du mit Fehlern haderst, hast du deren Botschaft noch nicht verstanden. Du darfst gerne mit allem rechnen, auch mit dem Guten.

  • Hast du für alles eine Begründung? Überprüfe, wie oft du Sätze denkst oder sprichst wie « ..ich muss noch dies und jenes tun, weil…», oder «ich möchte noch jenes machen/erleben, weil…». Bring mehr Freude und Leichtigkeit in dein Tun und Handeln. Geh in dich und fühle, ob das was du tust auch im Einklang mit deinem Herzen steht.

  • Neigst du dazu die «Probleme» von anderen lösen zu wollen, obwohl dir dein Gefühl sagt, dass du dich nicht darum kümmern solltest? Vertraue darauf, dass die Welt sich auch ohne dein Zutun weiterdrehen wird. Entwickle stattdessen Mitgefühl, ohne eingreifen zu müssen. Reflektiere darüber, dass jedes Problem im Inneren bereits seine eigene Lösung enthält.

  • Lerne zu verstehen, dass wir sind, was wir sind und nicht, was wir tun oder leisten. Dein eigener Wert existiert immer ausserhalb von Rechtfertigung und Pflichterfüllung. Ohne ständiges Begründen entsteht das Vertrauen, dass die Dinge, so wie sie jetzt sind, genau richtig sind.

  • Lerne dir selbst zu vertrauen. Du musst nicht immer alles verstehen. Manchmal sind die unlogischsten Entscheidungen die besten. Die wirklich wichtigen, einschneidenden Erlebnisse im Leben werden niemals geplant.

  • Gönne dir ganz bewusst einmal am Tag fünf Minuten Rückzug, um Abstand zu gewinnen. Steig aus deinem Hamsterrad aus und nähre deine Seele. Ganz in der Stille, ohne Medien, Gespräche oder Musik. Sei einfach nur mit dir selbst und nimm dich wahr. Spüre, dass du genau so, wie du jetzt da sitzt, wunderbar bist.

Übung: Hinter den Augen entspannen.

Setz dich bequem hin und schliesse deine Augen. Entspanne ganz bewusst zunächst deine Gesichtszüge und die Region zwischen deinen Augenbrauen über der Nasenwurzel. Nun stell dir vor, dass deine Augäpfel ganz sanft wie auf weicher Watte liegen. Du kannst dieses angenehme Gefühl noch verstärken, indem du dir selbst ganz leicht hinter den Augenliedern zulächelst. Geniesse die Leichtigkeit und die Liebe, die dabei entsteht und ins Fliessen kommt.

Mit der Stimme unseres Herzens haben wir eine wunderbare Möglichkeit, unseren Verstand zu entlasten. Anstatt die vielen Gedanken meditativ nur beruhigen zu wollen, schaffen wir mit der Verbindung zu unserem Herzen ein Ausgleich, bei dem unser Verstand ohne grossen Aufwand zur Ruhe kommt. Wir brauchen dafür ab jetzt nur unseren ersten intuitiven Impulsen Gehör zu schenken und ihre Botschaft anzunehmen. Lassen wir alle Instanzen zusammenarbeiten, können wir praktisch jede Situation ändern. Selbst wenn wir meinen festzustecken oder uns immer wieder im Gedankenkarussell drehen, sollten wir Ruhe und Vertrauen bewahren. Wir gehen dann lediglich einen Umweg und es dauert etwas länger. Wenn also das nächste Mal ein technisches Gerät eine Fehlfunktion aufweist und unser erster Impuls uns rät: «Das kannst du selbst reparieren», dürfen wir dieser Stimme ruhig vertrauen. Unser Verstand wird es uns danken und unser Selbstvertrauen daran wachsen.

Wenn ein Mensch keinen Grund hat, etwas zu tun, so hat er einen Grund, es nicht zu tun
Walter Scott

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